Drama im Boardercross: Ulbricht und Nörl crashen – und beweisen Teamgeist
Zweimal Schwarz-Rot-Gold, einmal USA gleichauf. Leon Ulbricht, Martin Nörl und Nick Baumgartner fahren eng nebeneinander in Kurve fünf. Kurz darauf liegen die beiden deutschen im Schnee. Die Medaillenträume für SNBGER im olympischen Snowboardcross Einzel sind damit – nach starken Trainingszeiten – ausgeträumt. Trotz großer Enttäuschung herrscht Fairness und großer Sportsgeist in Team D.
Wie bitter Snowboardcross sein kann, hat Martin Nörl bereits vor vier Jahren erlebt. Bei den olympischen Spielen in Peking 2022 stürzt ein Athlet vor dem damaligen Gesamtweltcupführenden, Nörl kann nicht mehr ausweichen und scheidet aus.
Bei den Winterspielen in Livigno ist der 32-Jährige erneut in einen Crash verwickelt. Und dieser ist doppelt bitter: In Kurve fünf wird es eng zwischen ihm, Teamkollege Leon Ulbricht und Routinier Nick Baumgartner – mit dem besseren Ende für den US-Amerikaner.
Sowohl Nörl als auch Ulbricht stürzen, Baumgartner kann weiter fahren. Die Deutschen haben keine Chance mehr auf ein Weiterkommen und scheiden im Viertelfinale aus. Der Frust über Platz 10 bzw. 13 ist groß. Trotzdem begegnen sich die beiden Teamkollegen fair, sprechen von einer „normalen Rennsituation“. Auch wenn Nörl wegen einer möglichen Boardberührung mit Baumgartner auf einen Jury-Check gehofft hat.
„Mich ärgert, dass die Situation nicht noch einmal angeschaut wurde. Klar, solche Stürze passieren in unserem Sport. Aber nur einen Run vorher haben sie eine Situation auch nochmal betrachtet, warum dann diese nicht? Ich sage gar nicht, dass der Amerikaner hätte disqualifiziert werden sollen – aber ich hätte mir gewünscht, dass man die Situation nochmal betrachtet.“
Im Seeding-Run am Donnerstagmorgen präsentiert sich Ulbricht schnell, fährt die drittschnellste Zeit.
„Mit meinem Fahren bin ich richtig zufrieden, ich war schnell unterwegs. Das im Viertelfinale war einfach eine blöde, aber typische, Situation im Rennen. Nachdem ich mir das Video angeguckt habe kann ich sagen, an Nick Baumgartners Stelle wäre ich auch so gefahren, an Martins Stelle wäre ich genauso gefahren – das ist einfach unser Sport, da gehören Kollisionen dazu.“
Ähnlich ordnet Headcoach Bernard Loer die Situation ein:
„Das ist natürlich bitter, das muss man auch nicht beschönigen. Wir waren schnell, hätten den Speed gehabt. Aber es gehört eben zu unserem Sport dazu.“
Gute Performance von Conradt und Reichle
Neben den Favoriten Nörl und Ulbricht, hatten sich auch Niels Conradt und Julius Reichle für Livigno qualifiziert. Sie beenden ihre Olympiapremiere auf den Plätzen 27 und 32.
„Quali top, Rennen Flop: Ich hab den Start im Rennen verpatzt, aber das wäre sogar noch okay gewesen, dafür hatte ich einen Plan. Nur der Fehler am Dragonback, der hat mich so viel Zeit gekostet, dass ich nicht mehr aufschließen konnte. Jetzt werde ich das Event noch voll genießen und morgen Jana die Daumen drücken.“
„Ich hätte gern mehr gezeigt. Ich habe sehr viel Erfahrung gesammelt und weiß, woran ich noch arbeiten muss, und damit geht es jetzt weiter.“