Mit Extra-Training und Zuversicht: Deutsches SBX-Team vor den Winterspielen
Der olympische Showdown im Snowboardcross steht kurz bevor. Mit gezielter Vorbereitung, starken Ergebnissen im Weltcup-Winter und einer eigens nachgebauten Startgeraden im Training zeigen sich die deutschen Snowboardcrosser*innen bewusst zurückhaltend, aber optimistisch. In den kommenden Tagen kämpfen Leon Ulbricht, Martin Nörl, Jana Fischer, Niels Conradt und Julius Reichle auf der olympischen Strecke um Hundertstel, Finaleinzüge – und Medaillen.
Die Boardercross-Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele stehen vor der Tür und das deutsche Team fühlt sich bereit für den großen Auftritt. Bereits im Vorfeld der Spiele hat Snowboard Germany neue Wege in der Vorbereitung beschritten: Auf einer eigens vom Verband gebauten Nachbildung der olympischen Startgerade trainierten die deutschen Athlet*innen mehrmals unter wettkampfnahen Bedingungen. Eine Maßnahme, die in den kommenden Tagen einen Wettbewerbsvorteil bedeuten könnte.
„Ich glaube, das hat viel gebracht, auch wenn der Start nicht exakt der gleiche ist. Man kennt den Bewegungsablauf, wir konnten dort zweimal drei Tage trainieren – das heißt, man hat schon echt viele Durchläufe gemacht. Das bringt fahrerisch und mental etwas.“
Gerade im Snowboardcross, wo bei Olympia nur wenige Trainingsläufe möglich sind, kann ein sicherer Start entscheidend sein.
Enge Rennen statt Highspeed
Auch die tatsächliche Strecke hier vor Ort sorgt für positive Eindrücke im deutschen Team. Sie präsentiert sich länger und weniger waghalsig, als es viele Athlet*innen von einer olympischen Snowboardcross-Bahn denken würden.
„Die Strecke ist deutlich länger als sonst und die Obstacles sind kleiner, als ich es von einer olympischen Strecke erwartet hätte. In den letzten Tagen wurde auch noch etwas angepasst – jetzt macht es total Spaß, sie zu fahren.“
Martin Nörl blickt vor allem auf die Renndynamik:
„Es ist sicher nicht die größte und schnellste Strecke, aber ich glaube, wir werden dort enge Rennen sehen und auch einige Überholmanöver. Darauf freue ich mich.“
Auch Leon Ulbricht blickt mit Spannung auf die Möglichkeiten der Strecke – und lässt Zuversicht durchscheinen.
„Das Training auf der Strecke lief für mich sehr gut. Ich gebe Martin recht – es wird viele enge Rennen geben, Fotofinishes und so weiter. Ich glaube, dass wir dafür gut gewappnet sind.“
Fokus auf Leistung statt Platzierungen
Mit Blick auf den Wettbewerb geben sich die deutschen Athlet*innen bewusst zurückhaltend, wenn es um konkrete Platzierungsziele geht. Der Fokus liegt klar auf der eigenen Leistung und darauf, diese im entscheidenden Moment abrufen zu können.
„Ich nehme mir nie eine Platzierung vor, da bin ich gar kein Fan von. Ich will einfach richtig gut Snowboard fahren – und wenn mir das gelingt und die Bedingungen stimmen, dann kommen die Erfolge von allein.“
Martin Nörl sieht das Team zwar nicht in der Favoritenrolle, erkennt darin aber eine Chance:
„Ich glaube, wir sind nicht unbedingt in der Favoritenlage. Aber wir sind hier, wir haben gutes Material dabei und ich glaube schon, dass wir die Topfavoriten auch ein bisschen ärgern können.“
Auch Jana Fischer legt den Fokus auf die eigene Leistung und weniger auf den Vergleich:
„Am Ende muss man immer sehen, wie an dem Tag die Bedingungen zusammenlaufen. Solange wir alle unser Bestes geben und auf den Punkt fahren, können wir zufrieden sein.“
Für Nachwuchsfahrer Julius Reichle steht im Vordergrund, die Erfahrung zu genießen und daraus zu lernen.
„Ich will einfach zeigen, was ich kann – dass ich mit den ‚Großen‘ mithalten kann. Und als Team sind wir sehr gut aufgestellt, ich glaube, da kann auch noch was passieren.“
Zwischen Gänsehaut und Fokus: Drei Olympia-Debüts
Für Leon Ulbricht, Niels Conradt und Julius Reichle sind die Wettkämpfe in Livigno die ersten Olympischen Spiele ihrer Karriere. Ein besonderer Moment, den Reichle und Conradt erstmal sacken lassen mussten und nun in vollen Zügen genießen.
„Spätestens seit der Eröffnungsfeier ist es so richtig angekommen, dass wir hier bei den Spielen sind.“
„Seit der Eröffnungsfeier spüre ich den olympischen Vibe so richtig. Besonders cool ist es, dass wir auch mal zu anderen Veranstaltungen gehen können. Wir waren in Bormio bei der Abfahrt und haben hier schon beim Big Air zugeschaut – das hat man sonst nicht.“
Leon Ulbricht versucht hingegen, sich trotz des Olympia-Rummels auf seine sportlichen Ziele zu konzentrieren:
„Man merkt vor allem, dass hier alles größer ist als bei einem Weltcup oder einer WM. Ich versuche aber, das auszublenden und in meinem Tunnel zu bleiben, damit ich ganz fokussiert auf Donnerstag zusteuern kann“
Bereit für die größte Bühne
Mit intensiver Vorbereitung, klarer Fokussierung und einer guten Mischung aus Erfahrung und Olympia-Debütant*innen geht das deutsche Snowboardcross-Team selbstbewusst in die Wettbewerbe von Livigno. Wenn es in den kommenden Tagen um Hundertstel, Positionen und Medaillen geht, sind Ulbricht, Nörl, Fischer, Reichle und Conradt bereit – für ihren Moment auf der größten Bühne des Wintersports.